Ausfahrten und Sommertouren


  • Sommertour Nussgipfeltour

Zwei hübsche sonnengebadete Ladies standen auf von ihrem Stuhl am Gartentisch unter dem Sonnenschirm und begrüssten und umarmten mich herzlich, als ich zuhause ankam, den Helm gerade ausgezogen, meine Haare nass verschwitzt, auf meinen Stöckelschuhen und mit schweren Winkelbeinen unsicher und wackelig vor ihnen stand, meiner Ex-Verlobten und ihrer Freundin. Als ich ins Bad stieg, um meine vor Anstrengung harten Beine etwas zu lockern, erklang herrliche Harfenmusik meiner Tochter aus dem Zimmer nebenan und die Sonne schien mir wärmend auf Gesicht und Brust. Was gäbe es schöneres als am letzten Augustsamstagabend solche Momente zu erleben ? Das war das Danach.

Zuvor machte die berühmte Nussgipfeltour ihrem Namen alle Ehre. Sie gipfelte zum besten aller möglichen Zeitpunkte des Tages buchstäblich im feinsten von Verena angeteigten Nussgebäck, den Nussgipfeln, Birnweggen, Marmorkuchen, bei Kaffee oder Bier, Elmer, Wasser, riesigen Aufschnittplatten frischem Brot und Aperohäppchen in der Abendsonne auf dem Balkon bei Hans Binzegger.

Diese Gipfel-Runde war für mich wie im Film. Nicht etwa, wie man das von der Leinwand her kennt, nein, vielmehr so, als ob Du selbst in dem Set auftrittst, selbst Teil der Szenerie wirst. Stell Dir dies mal vor, etwa so: Du fährst nach einer kurzen giftigen Anfahrtsrampe, müde, ausgedurstet und hungrig in eine lange, weite Tiefgarage, stellst das Velo weg, hörst schon von hier die gewaltig elegische italienische Rockmusik von Zucchero, steigst dazu mit schmerzenden Beinen die Treppe hoch, trittst auf den Balkon, siehst all die liebevoll hergerichteten Köstlichkeiten auf dem Tisch, lässt Dich nur noch in einen gepolsterten Sessel fallen und Deine Augen schweifen schon weit über die Wiesen vor Hausen, über den Streifen dunkelgrünen Tannenwaldes weiter Richtung Zugerberg, in den hellbläulichen Dunst von Rossberg und Rigi oder rüber zum Freiamt, zum Lindenberg, wo Du gerade noch unterwegs warst und Du denkst nur noch eins:  ‚Da steh ich nicht mehr auf‘. Fast so war es, wie jeweils in den James-Bond Filmen, wenn sich der Held, gerade der Hölle, einem Feuergefecht oder gewaltigen Explosionen entkommen, an einem weissen Sandstrand räkelt und von einer Hübschen einen Drink und weitere Dippes serviert bekommt.

Das war das Vergnügen. Und die Arbeit, die Hölle ? Ja, die leisteten und durchradelten Marcel, Kurt, Dani, Alex, Verena, Migi, Paul, Peter und ich in den Stunden zuvor. Etwa beim grausigen Stutz bei Mühlau, dem Anstieg zum unteren Horben, dem Flachrennen vor Sempach, oder schon müde auf dem Heimweg von Knonau nach Kappel. Da nützten auch die Besänftigungen von Hans bei der Abfahrt nichts. Ja, es war geradezu rührend, wie Hans  bei Tourbeginn fast ein schlechtes Gewissen hatte und sich für diese Stützli entschuldigte: es sei eigentlich eine mittlere Tour, aber es hätte halt eben diese Steigungen drin. Auch half nichts, als er uns nach Mühlau weismachen wollte, dass jetzt nur noch der untere Horben zu schaffen sei, und es danach praktisch ebenaus bis nach hause ginge.

Mancher von uns wusste wohl schon zuvor sehr genau, was ihn erwartete. Das Mittelland, und das vergessen wir Velofahrer nur allzu gerne, ist kein Flachland. Die Gletscher hinterliessen hügelige Gebilde mit Flächen, die von Ost nach West verlaufen und Steigungen von Nord nach Süd und genau all diese überquerten wir an unserer Nussgipfeltour. Entsprechend verzerrte sich das Feld im Aufstieg. Gar einer verlor vielleicht in den Ferien seine Muskelsäfte, andere wiederum, wie etwa Paul und Dani haben wohl die Ferienzeit zum Bergtraining genutzt und fuhren alleweil vorneweg. Für mich war auch kaum zu glauben, wie Hans diesen Samstag immer wieder Tempo machte und vor Sempach sogar einen High-Speed TGV anführte, musste er doch dieses Frühjahr über längere Zeit aus gesundheitlichen Gründen auf das Training verzichten.

Nicht unbedingt in das erst beste und teuerste Restaurant wollten wir in Sempach, aber irgendwie mochte trotzdem niemand weitersuchen. Gewählt wurde deshalb einfach ein gutes Süppchen oder eine Pizza, um nicht für einen Teller Spaghetti dreissig Franken zu bezahlen…

Für mich war diese Nussgipfeltour ein weiteres Highlight in der Serie unserer Sommertouren. Die Route war von Hans sehr sorgfältig geplant und rekognisziert worden. Mir gefiel besonders, dass wir über 100 Km praktisch ohne Autoverkehr über schöne und den meisten unbekannte Wege fahren konnten. Mir fiel auch auf, wie viele kleine unbekannte Orte es ‚da hinten‘ noch gibt. Oder andersrum, bin ich schon dermassen zürichorientiert und globalisiert, um diese schönen Orte defaultmässig auszublenden? Jahrhundertelang war und ist dies für die Einwohner vor Ort die Welt, der lokale Bezugsrahmen und Lebensraum und es tat mir gut, dass sich mein Horizont wieder etwas weitete diesmal für das Nahegelegene, Unbekannte, Vergangene; habe ich doch auf dem Bauernhof des unteren Horben als Knabe mehrere Sommerferien und viele schönen Stunden verbracht.

Aus diesem Grunde und in diesem Sinne führe ich mal die erstaunlich vielen Orte auf, die wir auf unserer Tour - nur kurz zwar, aber immerhin – besucht haben: Hausen, Mettmenstetten, Maschwanden, Mühlau, Rüstenschwil, Beinwil, Wiggwil, Unt. Horben, Unter Illnau, Ilbenmoos, Oberdorf, Kleinwangen, Unterdorf, Ferren, Hochdorf, Rain, Sandplatten, Mättwil, Sempach / Rain, Eschenbach, Gerlignen, Gibelflüe, Fenkrieden, Chrützstrasse, Sins, Matten, Hagedorn, Rumentikon, Knonau, Rossau, Uerzlikon, Kappel, Hausen.

Mit einem herzlichen Dankeschön an Verena und Hans Binzegger und an alle Teilnehmer und vielen Grüssen.

Richi Degonda

 

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