Trainingslager Gatteo a Mare 

    Tagesbericht  4. Tag
     

    Tour Dienstag, 31.05.11, Musei San Domenico, Forlì, 98km

    Unter der heutigen Leitung unseres Dr. med. FMH für alle Fälle (auch für überstrapazierte Velohintern, danke nochmals für die Mithilfe beim Kauf von „Fucicort 20mg/g + 1 mg/g crema, Acido fusidico + Betametasone, Tuba da 30g“, in einer Apotheke in Gatteo à mare) Hans „Tökti“ Iselin wurde die Tour nach Forlì unter die Zweiräder genommen. Nach einem uns bekannten Weg nach Cervia erwartete uns neues und unbekanntes Terrain. Entlang von Salz-Salinen (Sale di Cervia) - die weissen und ausgetrockneten Salzseen erinnerten mich bizarrerweise an unsere Heimat mit Schnee und Eis – und weiter durch fruchtbares Ackerland durchquerten wir die abwechslungsreiche Po-Ebene. Die Vielfalt an gefiederten Wesen am Rand der Salzseen und auf den Nistplätzen erinnerte mich aber wieder daran, dass wir doch im Süden sind. Die Weiterfahrt führte uns bald nach Forlì, der Hauptstadt mit knapp 120’00 Einwohnern in der Provinz Forlì-Cesena (Region Emilia-Romagna). 

    Unsere Stahl- resp. mittlerweile oft Carbon-Esel stellten wir kurzerhand beim Museum San Domenico an einer Hausmauer ab. Offenbar hatten wir die künstlerische Wandbemalung übersehen, denn bereits nach 2 Minuten – nicht mal alle hatten sich des Helms entledigt, was sich im Mindesten für einen Museumsbesuch gehört – wurden wir freundlich, aber bestimmt von einem „Sorvegliante“ (Aufseher) zurecht gewiesen, unsere Bicicletti doch bitte an einem anderen Ort abzustellen. Artig, aber für ihn unverständlich in Schweizerdeutsch trotzig murrend, folgten wir seinem Befehl. Beim Eintreten wurden wir aufgrund unseres nicht gerade museumswürdigen Outfits etwas argwöhnisch begutachtet, doch der Eintritt wurde uns nicht verwehrt. Ich wunderte mich, warum „Tökti“ mit der überaus sympathisch-hübschen jungen Kassierin soooo lange über die Eintrittspreise diskutierte. Im Nachhinein erfuhren wir warum: er hatte einen Gruppentarif für Senioren heraus gefeilscht….Ich fand das – wie übrigens Andere, sich noch nicht zu dieser Altersgruppe zählende – zwar etwas erniedrigend, aber trotzdem dankten wir Tökti“ natürlich für diesen gesponserten Eintritt. Tante grazie Dottore!  

    Gespannt staksten wir mit unseren Veloschuhen durch die verschiedenen Räume und Ausstellungsplätze und bewunderten – fachmännisch oder meistens wohl eher laienhaft – die präsentierten Bildobjekte aus der Renaissance. Im 3D-Kino mit den aufgesetzten 3D-Brillen sahen wir in unseren Tenues besonders albern aus. In der sterilen Museums-Welt leicht deplatziert aussehend, musterte uns manch interessierter Besucher etwas irritiert und missmutig von oben nach unten. Nachträglich (einige Zeit später beim Bier) wurde spekuliert, dass dies ausschliesslich unseren unverhüllten und trainierten Velofahrer-Wädli galt. ) 

    Nach der Besichtigung fanden sich die Kunst-Spezialisten sowie auch die Laien vor dem Museum wieder, die Fahrt an den Hauptplatz von Forlì, der Piazza Saffi, war kurz. Wir gönnten uns bei „Pizza für alle“ einen wunderbaren Ausblick auf den riesigen einladenden Platz mit dem Aurelio Saffi-Denkmal (1819 – 1890). Wie uns der beinahe Allwissende Tökti zu erzählen wusste, war Saffi ein italienischer Politiker, der u.a. auch an einem für Italien überaus wichtigen Ereignis mitbeteiligt war: der Gründung der römischen Republik. Dadurch wurde die Macht des Papstes Pius IX. in Rom eingeschränkt und die Zukunft einer Demokratie eingeläutet. Diese war aber nur von kurzer Dauer: nach politischen Niederlagen flüchtete Saffi ins Exil nach Ligurien und auch in die Schweiz. Nach seiner Rückkehr versuchte er eine ganze Reihe von Aufständen zu organisieren, doch infolge des Scheiterns wurde er zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Rückkehr wurde er nochmals Abgeordneter des Königreichs Italien; dieses Amt legte er kurz später jedoch nieder und amtete als Professor an der Universität von Bologna. Wahrlich eine interessante Person! Die unzähligen grün-weiss-roten Tricolori, die an allen Fenstern, Balkonen, Hauswänden und Erkern aufgehängt wurden, erinnerten uns an den kommenden 02.06.11. Italia feiert bald ihren „1. August“, das „Festa della Republica“! 

    Gesättigt fuhren wir über Pertinoro nach Cesena, wo wir nochmals für einen kurzen Coci-Halt abbremsten. Dabei fand eine überaus angeregte Diskussion statt, welche (nicht warum!) Frauen offenbar hinten ein 3. Auge haben. Die nächsten vorbei spazierenden Damen wurden sogleich diskret – wie sich das unter Männern in einer Männerrunde gehört – nach den erworbenen Kenntnissen beäugt. Nicht taxiert oder bewertet, sondern: beaugapfelt. Die dort anwesende Männerrunde kennt den Grund und des Rätsels Lösung… Sorry liebe Leser und Leserinnen, aber dies bleibt unser Geheimnis ;-) 

    Ueber Sala und einige Km mehr kehrten wir in unser Hotel Capitol zurück, wo wir uns nach einer kurzen Dusche zum wohlverdienten Apero trafen. Bei Wein (ein erfrischender 7dl Pino Grigio zu sündhaft günstigen 8 Euro) oder Bier (4dl im Vergleich dazu sündhaft teuren 4 Euro) stiessen wir auf einen kulturell und sportlich sehr interessanten und abwechslungs-reichen Tag an. Nach dem wie immer vielfältigen Vorspeisen-Buffet gab’s je nach Gousto zum Hauptgang grillierte Fische, Rinds-Carpaccio mit Rucola/Parmigiano oder, für Unverbesserliche (…) Schnipo. Auch beim Dessert-Buffet mit Glace, Kuchen und vielen diversen schmackhaften Käsen wurde nicht zurückhaltend zugelangt. Bei Grappa ausserhaus im nachträglich sehr beliebten Beizli am Bahnübergang – mein Geheimtip nach 3 Jahren Erfahrung wurde endlich erhört - wurde der Abend gemütlich abgerundet. 

    Auch an dieser Stelle der mittlerweile bekannte VCA-Differenzler. Angesagt: 90km. Gemacht: 98km. Differenz 8km zu Lasten Tökti (wurde mit Calvados bereinigt). 

    22.07.11 Migi Schweizer

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