2 Tages Tour

    3 Pässe Fahrt 2012

  • Sommertour Samstag, 18.08.12, 3 Pässefahrt: Furka - Nufenen - Gotthard

     Die heutige Tour ist gem. Organisator R77 (Roger Egloff) eine Ausfahrt über 3 Wellen.

    Die Startzeit wurde auf 08.30 Uhr in Hospental festgelegt, dies bedeutete für alle Teilnehmer frühzeitig Tagwach. Mein „Chauffeur“ Reto Stampfli holte mich bei Zeiten ab und eine Staumeldung auf DRS3 in Richtung Süden lockte uns bereits bei Gurtnellen von der Autobahn.  Es mussten noch Geschäfte für kleine Jungs erledigt werden und ich mich velotauglich in VCA-Uniform kleiden.  Was wäre da nicht geeigneter, als einen SBB-Bahnhof (Reto kennt sich damit ja bestens aus) samt WC? Die Central Station“Gurtnellen-City“ war um diese Tageszeit jedoch ziemlich verweist, das WC verschlossen. Beim Rückweg zum Auto wurde ich aber sehr freundlich vom Bahnhofvorstand aufgefordert, doch bitte schnell zu warten, er werde die WC’s gleich öffnen!  Keine Minute später war die „Umkleidekabine“ offen und unnötiger Ballast konnte abgeworfen werden; wirklich sehr aufmerksam und freundlich vom SBB-Personal, trotz unserem ZH-Nummernschild…

    Der Stau vor dem Gotthard war dann doch kleiner als wir dachten, doch auch wir erreichten via Schölenenschlucht und Samih Sawiris „New Andermatt“ den Parkplatz in Hospental. Alle machten sich bereit und Kommandant R77 bekam ein schönes Daher für die Befehlsausgabe. Die stolze Zahl von 11 Personen (Präsi Schumi, Tökti, Dani, Richi, Gloggi, Binzi, Edi, Reto, Sandro -ein Kollege von R77 - sowie der Schreibende) lauschten aufmerksam: Aufstieg über die 1. Welle zum Furka, ca. 13,8km und 920 Höhenmeter, erster Treffpunkt Furka Hospiz (2429müM). Schnell zog sich das Feld in die Länge, die Fitteren und Leichteren etwas schneller, andere ihrem Tempo angepasst. Leider verweigerte mir knapp 2 km unterhalb der Passhöhe ein Kettenglied seine Arbeit und lief nicht mehr rund: ein ständiges Knacken und „schalten wollen“ bei jeder Pedalumdrehung war die Folge. An ein angenehmes Weiterfahren war nicht mehr zu denken, der mitfahrende Begleitwagen von Gloggi erfüllte bereits erstmals seinen Zweck. Er verlud mein Velo aufs Dach, während dessen ich mich mit Bauchkrämpfen und Durchfall hinter einem Stein erleichterte. Wahrlich kein guter Start. Mit etwas Verspätung kamen auch wir auf dem Furka an, wo geübte Flicker wie Schumi, Dani, Gloggi und Sandro meine Kette wieder auf Vordermann brachten: danke allen Beteiligten!

    Mit kleiner Verspätung auf die Marschtabelle wurde die rasante Abfahrt nach Ulrichen  (1346müM) ins Wallis unter die Räder genommen. Die Schnellen voraus, die Geniesser hintendrein. Ein paar neben den Geleisen der nostalgischen Furka-Dampfbahn stehende Fotografen liessen den Schreiber vermuten, dass bald etwas geschehen könnte. Und siehe da: hinter der nächsten Haarnadelkurve dampfte und qualmte es aus einem Tunnel, und die Bahn tuckerte bergauf, keine 2 Meter neben uns, einer handvoll VCA-lern. Welch ein imposantes Schauspiel: Berge ringsherum, stahlblauer Himmel und die hustende, rauchende und bergauf stotternde Dampfbahn! Die Talfahrt ging dann trotzdem auf der teilweise sehr schlechten Strasse weiter und wir wurden zwischendurch mächtig durch-geschüttelt, dass sogar Bidons aus den Halterungen flogen. Beim Halt in Ulrichen wurden Cola, Schorrle, Kaffe und Nussgipfel getankt. Weiter gings gem. R77 nun über die 2. Welle hinauf auf den Nufenen (15km, 1128 Höhenmeter).

    Der Besenwagenfahrer wurde in Ulrichen gewechselt und durch Edi ersetzt. Am Tempo der Schnelleren änderte sich nichts, die Gruppe hielt sich mehr oder weniger an die Stallorder des Furka-Ausstiegs. Binzi und ich kämpften verbissen um die Schlusslaterne, wobei wir von Mitgliedern einer anderen grösseren Velogruppe aus Fribourg überholt wurden resp. wir diese immer wieder überholten. Sie kamen und gingen wie die Schmeissfliegen. Des Rätsels Lösung war der Teambus, der „Lahmende“ einlud und ein paar Km höher wieder abwarf. In dieser Gruppe hielt sich auch ein alleinfahrender  Urner auf (muss ein „Quälix“ gewesen sein), mit dem ich kurz sprach, da er fragte: „Quo vadis“? (-> „wohin des Weges?“ ). Ich erklärte ihm unsere Tagesplanung. Er lächelte und meinte, dann sei er wohl etwas länger unterwegs:  Start in Wassen -> Susten -> Innerkirchen -> Grimsel -> Gletsch -> Furka -> zurück nach Gletsch (!) -> Ulrichen -> Nufenen -> Airolo -> Gotthard und einfach nur noch bis Wassen. „Beim Teutates!“.

    Während dem langen Aufstieg zur Nufenen-Passhöhe (2478müM) holte ich doch noch 2 VCA-ler ein. Der Eine hockte mehr oder weniger gemütlich im Gras einer Haarnadelkurve und genoss die Aussicht, es sei alles ok (oder brauchte er doch tatsächlich eine Pause?), der andere ein paar Km vor Passhöhe auf einem Parkplatz neben unserem Begleitfahrzeug. Er sah etwas benommen aus und schwafelte etwas von Wildschweinbraten, Hinkelsteinen und dass Troubadix schon noch singen würde. Hörte er bereits die Vöglein pfeifen oder wars doch Dehydration? Hol mich der Teufel, pedalen sollt ihr! Stolz, die rote Laterne abgegeben zu haben, traf auch ich auf dem Hospiz ein. Die beiden vermeintlichen Schlusslichter strahlten mir aber bereits entgegen, die Stimmung der übrigen war auch ganz ok, obwohl einige doch etwas angeschlagen waren und Sandro über gröbere Knie-schmerzen klagte. Anstatt Wildschwein gab‘s aber einen Teller Spagetti und genügend Tranksame. Während dem Essen sinnierte ich, wo und wie mich denn diese beiden Abgeschlagenen überholt haben könnten. Ein gallisches Schiff hatte ich auf jeden Fall nicht gesehen. War da Miraculix mit seinem Zaubertrank im Spiel?!? Egal, es ist, wie es ist…  Die über 22km lange Abfahrt nach Airolo ins Tessin stand an, es sollte tatsächlich in die Hitze des Südens gehen. Der Nufenenpass ist übrigens der höchste innerschweizerische Alpenpass, der erst seit 1969 wirklich befahrbar ist.

    In Airolo (1141müM) wurden wacker Bananen und Wasser getankt für den Aufstieg auf die 3. Welle, den Gotthard-Pass (2108müM), der Weg führt über die holprige Tremola. Die Temperaturen waren spürbar wie noch nie so hoch zu diesem Schlussaufstieg: gefühlte 45 Grad bergaufwärts, aber tatsächlich wohl um die 33 Grad und windstill. Die letzten ca. 12km und nochmals 967 Höhenmeter standen vor uns. Die gefährdeten „Rote-Lampen-Träger“ starteten etwas früher, da andere noch mit Velo ab- resp. Aufladen beschäftigt waren. Nach kurzer Zeit fuhr der Schnellzug bereits wieder bergwärts: sollen sie doch den Weltrekord im Davonfahren holen, herrgottnochmal! Bergabwärts kreuzten uns 2 Gotthard Postkutschen, beladen mit Touristen. Die 5-Pferde-Gespanne  sind nicht original wie das bekannte Gemälde von Johann Rudolf Koller (1828 bis 1905) von 1873, aber naturgetreu nachgebaut (Anm.: Preis dafür von Andermatt nach Airolo: Fr. 680.- pro Person für 5 Std. Fahrzeit…). Meine Krampferscheinungen wurden bei diesem Anblick nebensächlich, mein mittlerweile wieder treuarbeitendes Kettenglied und BMC wird mir auch auf den letzten 7 Kilometern ein steter Begleiter sein, und das erst noch ohne Pferdeäpfel. Die Temola wollte nicht enden: die Pass-Strasse mal links, mal rechts mit unzähligen PW’s, Wohnmobilen und Töff’s, die angenehmer bergwärts fuhren als wir. Was um Himmelsgottswillens machen wir da? Sind wir denn wirklich alle „Quälixe“? Warum wurden denn nicht alle Pflastersteine bereits bei Paris-Roubaix aufgebraucht? Wurden hier noch unzählige Restposten ausgelegt?!? Im Geist sehe ich immer wieder das SF-Logo mit den roten fliegenden Steinen, gefilmt bergabwärts. Wissen diese verdammten Steine eigentlich auch, wie streng das bergaufwärts ist?!? Egal, es ist, wie es ist…

    Ein grillierendes holländisches Rentner-Paar, bewaffnet mit Dosenbier, feuerte mich an, die Passhöhe kann also nicht mehr weit sein. Oben angekommen wurde auch ich von meinen VCA-Kollegen begrüsst, es wurde sich gegenseitig gratuliert und beglückwünscht. Die rote Laterne hatte ich nach zwischenzeitlichen Problemen aber sicher nach oben geführt. Ein paar letzte Pics und die kurze Abfahrt (7km) nach Hospental nahm seinen Lauf. Schlussendlich sind alle heil angekommen, und das ist doch das Wichtigste J

    Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei R77, dem Organisator bedanken, war super streng, aber auch super toll! Und natürlich auch bei Gloggi, der sein Auto und seinen Dachträger als Begleitfahr-zeug zur Verfügung stellte sowie den „Besenwagen-Fahrern“ Gloggi, Edi und Richi, die uneigennützig auf einen Pass verzichteten. Beim Teutates! 

    Migi/15.10.12

     

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Bilder sind von Dani, Richi und Reto