Trainingslager Gatteo a Mare

    Tagesbericht  5. Tag
     

    Trainingslager 2013 Gatteo a Mare

    Warum ist Duschen nach dem Velofahren so schön ? 

    Erlebnisbericht zur Ausfahrt vom Mittwoch 29. Mai 2013 

    Seit ich vor über 30 Jahren angefangen habe velozufahren, besser gesagt rennradzufahren hat mich immer wieder die Frage beschäftigt, weshalb sich das Duschen nach einer Ausfahrt so schön anfühlt, schöner eigentlich als das Velofahren selbst. Auch nach der längsten Trainingslager-Tagestour vom Mittwoch, die uns von Gatteo a Mare nach San Leo, Grillo über weitere Colli und Passi schliesslich nach über 120 km wieder ins Hotel Capitol zurückführte, tauchte diese Frage wieder  mit aller Heftigkeit auf. Deshalb versuche ich hier endlich einmal ein paar mögliche Antworten darauf zu skizzieren. (Weitere, diese Frage und das eigentümlichen Velofahr-Phaenomen klärende Hinweise ,nehme ich gerne entgegen.)

    Die Dusche, eingedeutschte Schreibweise von französisch douche, von lateinisch ductio  „Leitung“,  erlaubt die künstliche Beregnung des Körpers mit kaltem oder warmem Wasser zur Körperpflege. Ursprünglich aus Hygienegründen vor allem in Kasernen und Gefängnissen anzutreffen, ist sie heute ein Bestandteil  jedes modernen Badezimmers. Das Duschen wird in der westlichen Welt vor allem unter dem Gesichtspunkt der täglichen Reinigung praktiziert, dient aber auch dem Wohlbefinden und der Entspannung.  (aus Wikipedia)

    Es sind also zwei Elemente, die einem Velofahrer nach langen und harten Kilometern beim Duschen besonders willkommen sind und die unbeschreiblichen Glücksgefühle auslösen können: Die Reinigung und die Entspannung. Welch ein Gefühl, den sauren Schweiss, auf der Tour während des ganzen Tages unter Leiden und Schmerzen gesammelt, innert Sekunden einfach abzuspülen, nicht mehr im klebrigen feucht-kalten Leibchen oder der engen Hose ertragen zu müssen ! (Bestimmt war der Erfinder der Dusche in der Antike ein Holzfahrradfahrer… ) Auch das Salz von Stirn , Lippen, Hals und Armen – einfach weg, der ph- Wert wiederhergestellt. Dann der Staub, festgesetzt an Haar und Bein, der viele Staub, nein, nicht nur Blütenstaub, Staub aufgewirbelt aus unzähligen Strassenrändern, Schlaglöchern, Rissen, schwarzen Schwertransportauspuffrohren, Kiesgruben, Baustellen – einfach weg und fort. Du fühltst Dich augenblicklich nicht mehr als Ratterer, Sträfling, Geschundener, Gehetzter sondern plötzlich wieder frei und leicht.

    Dann zur zweiten Glückserfahrung beim Duschen, zur Entspannung: Die Entspannungsreaktion, äussert sich auf neuronaler Ebene in einer Aktivierung des Parasympathikus und einer Schwächung des Sympathikus. Auf der körperlichen Ebene wird der Muskeltonus verringert, die Reflextätigkeit vermindert, die peripheren Gefäße erweitert, die Herzfrequenz verlangsamt, der arterielle Blutdruck gesenkt, der Sauerstoffverbrauch reduziert, die Hautleitfähigkeit verringert und zentralnervös die hirnelektrischen und neurovaskulären Aktivität verändert. Auf der psychologischen Ebene wird in der Entspannungsreaktion Gelassenheit, Zufriedenheit und Wohlbefinden erlebt und die Konzentrationsfähigkeit und Differenzierungsfähigkeit der körperlichen Wahrnehmung ist verbessert. (aus Wikipedia)

    Für mich aber wurde hier das Schönste und Wesentlichste bei der Dusch-Entspannung nicht genannt, nämlich der Fakt, dass Du nicht mehr treten musst!  Du kannst einfach ruhig dastehen, nichts tun, nichts denken, nicht aufpassen, Dich nicht auf die Strasse konzentrieren, nicht auf das Hinterrad Deines Vorderen, nicht einem gefährlichen Schlagloch ausweichen, Du wirst nicht von einem schweren acht Achs 40 Bruttoregistertonnen Kiestransporter an die Mauer gedrückt, nicht von einem zehnfach hupenden verärgerten Italo Pseudo Formel 1 Fahrer aus dem Kreisel gedrängt, Du must nicht bremsen, nicht ankicken, nicht hecheln, keuchen schalten und wuchten, nein Du kannst einfach nur ruhig dastehen und das Wasser rauschend und plätschernd über Dich rieseln lassen und schon geschieht das grösste aller Wunder, ja es geschieht einfach, es überkommt Dich unmittelbar, das Wunder beim Duschen nach dem Velofahren;  die Entspannung. Du mutierst vom Sympathikus zum Parasympathikus und obwohl sich der Tonus verringert, erweitern sich die nach 120 km äusserst klein gewordenen peripheren Gefässe und Du fühlst Dich wieder ganz als Mann. Das wiedergefundene Wohlbefinden unter der Dusche schenkt Dir im psychologischen Sinne wieder Deinen ursprünglichen Selbstwert zurück, den Deine Selbstzweifel bei jeder kleinen und grossen Steigung schon längst zernagt und zerfleischt haben. Beim Duschen spürst Du einfach nur das wohlig warme Duschwasser, weit weg sind die flimmrig zermürbenden Bilder Deiner Kollegen, die bei 14 Prozent Steigung schon 3, ja 500 m vor Dir die Serpentinen hochfliegen und oben längst genüsslichst  warten. Keine Aggressionen mehr nach 6 km steilstem Aufstieg zu Tagesende auf der Rückfahrt, einem vermeintlichen Pass, der sich als Sackgasse erweist und als kleine Zugabe oder Dessert gerade noch fehlte. Und das alles am Geburtstag Deiner Frau. Nein, der ganze Frust, die Pein, der Schmerz perlt jetzt ab, Du spülst ihn einfach weg --  alles ist jetzt aufgelöst: Du stehst endlich in der warmen, dampfenden, gut duftenden Dusche, bist angekommen, bei Dir, zuhause, im Hotel.

    Nun, all die erwähnten Faktoren, welche das Duschen nach dem Velofahren so schön machen, fasse ich am besten in einer simplen These zusammen: Je strapaziöser die Velotour, desto schöner das Duschen danach ! Diese These gilt es erst mal zu widerlegen. Gegenbeweise sind also sehr willkommen.  Die ganze Chose muss vom VCA unbedingt noch weiter verifiziert und mit statistischem Material untermauert werden. Ja man könnte die Argumentation -zumindest für meinen Fall- noch weiterentwickeln, etwa so: Wenn mich einer fragt, warum ich denn eigentlich velofahre, wird meine Antwort kurz und bündig lauten: Wegen dem schönen Duschen danach  ;)  womit gleichzeitig bewiesen wäre, dass Velofahren die drittschönste Sache der Welt ist. (q.e.d.)

    Route Mittwochstour:

    Gatteo a Mare – Savignano – Ponte Veruccio – Villanova – San Leo – Pietracuta (Cafe Sport) Novafeltria – Santiano (irrtümlich) – Secchiano / Grillo – Ponte del Uso – Sogliano (Cafe nach Aufstieg) – Ronco Freddo – Savignano – Borghi – Gatteo a Mare

    Technische Daten:

    124 km Länge, 23.8 km/h Schnitt, 5.12 h Dauer, 64.4 km/h Spitzengeschwindigkeit, 55 km /h „Ebenenzügli“, 3500 Kalorien verbraucht.

  • Richi Degonda
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